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Wie Pflegestufen ihren tatsächlichen Nutzen erfüllen

6. Okt.
3 Min. Lesezeit
Beitrag von Irina Hellmann
Beitrag von Irina Hellmann

Was Erwartet Sie:

Zugegeben, Pflegestufen gehören eher zum Bereich „trockene Thematik“.

Wer sich jedoch tiefer darauf einlässt wird bemerken, welche Schätze sie beinhalten. Gerne nehmen wir Sie auf die Reise der Pflegestufen in der Stiftung Blumenrain mit. Dieser Bericht stammt aus dem Ressort Entwicklung, und ist an Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige und medizinisches Fachpersonal gerichtet.


Denn: Wir haben im stationären Bereich in den letzten Monaten viele Stunden in die korrekte Einstufung investiert, Prozesse evaluiert und weiterentwickelt – zum Wohle aller Beteiligten und immer mit dem Ziel, wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich zu agieren.


In der Theorie

Viele kennen sie: die Pflegestufen im Langzeitbereich, Basis der Pflegefinanzierung der Bewohnerinnen und Bewohner. Und doch tauchen viele Fragen und Unklarheiten in diesem Bereich auf. 

Die Stiftung Blumenrain arbeitet mit einem weit verbreiteten Instrument, dem interRAI LTCF (international standardisiertes Instrument, adaptiert für die Schweiz). Dieses Instrument ist auf die Langzeitpflege ausgelegt und bildet innerhalb eines Assessments den gesamten Pflegebedarf der Bewohner-innen und Bewohner ab. Es unterstützt schlussendlich die Umsetzung des Pflegeprozesses – die Basis der Arbeit in der Pflege. 

Übergeordnet umfasst das Bedarfsabklärungsinstrument folgende Bereiche, um in die entsprechende Pflegeaufwandgruppe (Pflegestufe) eingegliedert werden zu können:


·Körperliche Fähigkeiten

·Kognition

·Verhalten

·Soziale Aspekte

·Medizinische Aspekte


Ziel ist es zu erfassen, in welchen Bereichen eine Person pflegerische Unterstützung benötigt.

Alle Bewohnerinnen und Bewohner erhalten nach ihrem Eintritt eine umfassende Einschätzung. Dafür findet eine 4-tägige Beobachtungsphase statt, in welcher wir die oben genannte Bereiche täglich beobachten. Dann folgt die 3-tägige Dokumentationsphase. Darin verfassen wir den geleisteten Unterstützungsgrad, orientiert an den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner. Abschliessend wird die Dokumentation in das Bedarfsabklärungs-instrument integriert, oder wie wir es nennen „kodiert“. Im Zeitalter der Digitalisierung findet dies digital statt. Das System berechnet im Hintergrund anhand von festgelegten Kriterien die Pflegestufe, welche alle Bewohnerinnen und Bewohner individuell benötigen. 

Eine solche Einschätzung findet halb-jährlich oder bei sogenannten signifi-kanten Veränderungen statt. Im Alltag bemerken die Pflegepersonen durch stetige Reflektion, wie sich der Gesund-heitszustand oder der Unterstützungs-grad der Bewohnerinnen und Bewohner verändert. Verschlechtert sich der Allgemeinzustand, tritt z.B. eine Wundsituation auf oder ist jemand aufgrund eines Spitalaufenthaltes geschwächter, benötigt diese Person in der Regel mehr Unterstützung durch das Pflegepersonal. 

In solchen Momenten wird eine neue Beurteilung eingeleitet, um diese Unterstützung nicht nur zu leisten, sondern sie auch abzubilden. Die erfassten Pflegestufen orientieren sich immer am Grad des Unterstützungs-bedarfes. 

In der Pflege zu arbeiten bedeutet, sein Wissen und seine Fähigkeiten stetig weiter zu entwickeln – sogenannt evidenzbasiert zu arbeiten. Es beinhaltet aber auch viel Intuitives. Wir leisten instinktiv Hilfe, weil tief in uns diese Haltung verankert ist. Dies kann dazu führen, dass Arbeiten durchgeführt werden, die jedoch nicht abgebildet sind. Die Fähigkeit, das eigene Handeln oder die Intuition zu reflektieren ist eine Frage der Übung. Und genau dies wollen wir durch die vertiefte Auseinandersetzung mit der Pflegeeinstufung erreichen. Faktoren wie Zeitdruck, Personalmangel oder hohe Anforderungen sollen nicht Anlass sein um sich Diesen zu ergeben. Pflegepersonen sollen Teil der Lösung sein. Auch dies ist eine Haltung, die im gesamten Pflegesektor zunehmend Einzug hält durch Innovation, Engagement und den Blick über den Tellerrand.

Um ein realistisches Bild der aktuellen Abläufe zu erhalten sowie den Kern der Einstufungen zu verstehen, haben wir einerseits die Unterstützung von einer externen Beraterin in Anspruch genommen und andererseits das Konstrukt RAI/Pflegeeinstufung neu interpretiert und durchdacht. Wir haben viel Zeit in Schulung, Befähigung, Coaching, Verfassen von Standards sowie Wissensvermittlung investiert. Dies geschieht immer mit dem Fokus, die Lebensqualität, Selbstständigkeit und Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner zu erhalten, stärken und zu fördern. Alle diese Bestrebungen führen zu realistischen Pflegestufen, die erfahrungsgemäss durch die oben genannten Haltungen und Arbeitsweisen tendenziell zu tief eingestuft sind. 

Qualität bedeutet für uns weit mehr als das Erfüllen von Vorgaben. Neben klar definierten Rollen, nationalen Standards und einer positiven Fehlerkultur verstehen wir Qualitätsmanagement als kontinuierlichen Entwicklungsprozess. Dazu gehören fachliche Weiterentwicklung, Innovation und der gemeinsame Ansporn, Pflege und Betreuung stetig zu verbessern.


Ausblick

Auch nach diesem Bericht können Fragen oder Anliegen entstehen. Uns ist es wichtig, diese Themen aufzugreifen und Raum für Austausch zu schaffen.

Deshalb werden aktuell weitere Formate rund um das Thema Pflegeeinstufung geplant. Diese sollen die Möglichkeit bieten, offene Fragen zu klären und sich vertieft mit dem Thema auseinander-zusetzen. Weitere Informationen folgen.

Auch für spezifische Fragen stehen Ihnen die Leitungen der Abteilung, in enger Zusammenarbeit mit dem Bereich Entwicklung, zur Verfügung.



Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.  


Irina Hellmann, Co-Bereichsleitung

Bedarfszentriertes Management, 

Ressort Entwicklung

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