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Wie unser Lebensstil die Gesundheit beeinflusst

Einleitung & Rahmen

Zu Beginn begrüssten Simona Wendelspiess und Corinne Schreyvogel die Teilnehmenden und bedankten sich herzlich dafür, dass so viele trotz schönem Wetter gekommen sind. Ein besonderer Dank ging an die Stiftung Blumenrain und insbesondere an Geschäftsführerin Stefanie Kurz für die zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten. Dann skizzierten sie den roten Faden des Abends: Es geht um LebensstilStress, das Nervensystemunbewusste Prägungen und darum, wie Stress auf Darm und Immunsystem wirkt, mit praktischen Beispielen und am Ende mit Quick Wins für den Alltag.



Thema 1: Stress heute, warum so viele von uns „dauer-on“ sind

Simona Wendelspiess zeigte auf, wie sehr Stress in unserer modernen Welt von aussen und innen gleichzeitig anzieht. Äussere Stressoren seien etwa Arbeitsdruck, Familie, Kinder, ständige Erreichbarkeit, Pop-up-Nachrichten, Personalmangel (z. B. im Gesundheitswesen), Krisen, Naturkatastrophen und die dauernde negative Berichterstattung. Diese Faktoren lösen Emotionen aus. Emotionen sind immer auch Nervensystem-Themen.

Dann gab sie das Wort an Corinne Schreyvogel, die diesen Gedanken biologisch einordnete: Unser Körper funktioniert nach einem „uralten Bauplan“. Evolutionäre Systeme verändern sich nur langsam, sinnvollerweise. Gleichzeitig hat sich unser Lebensstil rasant verändert: Wir müssen uns nicht mehr bewegen, um Nahrung zu finden, wir sitzen viel, wir haben dauernd Input. Diese Diskrepanz zwischen Steinzeit-Biologie und modernem Alltag sei ein Schlüssel, um viele Beschwerden zu verstehen.

Simona knüpfte daran an und ergänzte: Neben äusseren Stressoren gibt es auch inneren Stress – Grübeln, Ängste, negative Gefühle und Überzeugungen darüber, wie man sein „muss“, um zu genügen. Gerade solche inneren Antreiber („ich muss leisten“, „ich muss alles allein schaffen“, „ich darf keine Bedürfnisse haben“) erzeugen Dauerstress, auch wenn im Aussen gerade gar keine akute Gefahr da ist.


Thema 2: Unbewusste Prägungen, warum wir oft reagieren, bevor wir denken

Simona Wendelspiess führte dann in ihr Kernthema ein: Das Nervensystem wird stark durch unbewusste Prägungen gesteuert, besonders aus den ersten Lebensjahren. In dieser Zeit seien wir extrem formbar und lernen: Was bringt Bindung, Nähe, Sicherheit? Was führt zu Ablehnung, Strafe oder Rückzug? Daraus entstehen automatische Muster, und diese laufen später oft ab, ohne dass wir es bewusst merken.

Sie erklärte das über das Bild eines „Eisbergs“: Ein kleiner Teil sind bewusste Entscheidungen, aber der grosse Teil sind automatische Programme. Das Nervensystem reagiert dann blitzschnell und zwar nicht nur auf reale Gefahren, sondern auch auf Situationen, die sich wie früher „anfühlen“.

An dieser Stelle gab sie das Wort weiter an Corinne Schreyvogel, die das Nervensystem-Prinzip medizinisch ergänzte: Stress aktiviert im Körper sehr rasch die Stressachsen, zuerst über Adrenalin/Noradrenalin, später über Cortisol. Das ist grundsätzlich genial, weil es uns seit Jahrtausenden das Überleben sicherte: Energie bereitstellen, Fokus erhöhen, Blutdruck anheben, damit wir handeln können.

Simona nahm den Ball wieder auf und erklärte, wie das im Alltag sichtbar wird: Man macht einen Fehler, der Chef reagiert streng. Und plötzlich: Herzklopfen, Schweiß, Blackout. Erst später fällt einem ein, was man hätte sagen wollen. Für Simona ist das ein typisches Beispiel dafür, wie das Unterbewusstsein eine Stressreaktion „anwirft“, bevor der Verstand wieder Zugriff hat.

Thema 3: Interpretation, wie unser Kopf Geschichten baut (und Stress produziert)

Simona Wendelspiess zeigte anschliessend, dass Stress nicht nur durch Ereignisse entsteht, sondern stark durch Interpretation. Jeder Mensch hat andere Erfahrungen abgespeichert und baut deshalb aus der gleichen Situation eine andere Geschichte. Ihr Beispiel: Ein bellender Hund. Für den einen ist das Freude, für den anderen Gefahr. Die Reaktion im Nervensystem folgt nicht der objektiven Realität, sondern der inneren Bewertung.

Dann gab sie an Corinne Schreyvogel weiter, die daraus eine wichtige Brücke schlug: Der Körper unterscheidet bei Stress oft nicht fein, welche Art Stress es ist: emotional, sozial, mental, infektiös, beruflich. Die Stressreaktion läuft nach ähnlichen Prinzipien ab. Genau deshalb kann auch „nur“ Grübeln oder Daueranspannung körperlich so wirksam werden.

Simona ergänzte, dass viele Konflikte und ungesunde Dynamiken zwischen Menschen genau hier entstehen: Wir reagieren auf unsere Interpretation und die ist eben nicht identisch mit der Interpretation des Gegenübers. Wer das versteht, kann Beziehungen entlasten: Weniger „du übertreibst“ und mehr „ah, dein System liest das anders als meins“.


Thema 4: Überlebensmodus vs. Regeneration, und was das mit Verdauung zu tun hat

Simona Wendelspiess machte dann deutlich: Wenn wir zu oft im Stressmodus sind, verlassen wir den „grünen Bereich“ (Ruhe, Sicherheit, Regeneration) und kommen in Funktionieren/Überleben. In diesem Zustand werden Prozesse gedrosselt, die nicht unmittelbar überlebenswichtig sind. Darunter Verdauung, Immunsystem, Schlaf, Regeneration und bei Frauen auch Themen rund um Zyklus/Fertilität.

Sie beschrieb ausserdem, dass Menschen versuchen, sich aus diesem Zustand zu regulieren, manchmal gesund, manchmal ungesund. Häufig entstehen aus dieser Überlastung Verhaltensmuster, die kurzfristig entlasten, langfristig aber Stress und Symptome verstärken.

Dann gab sie an Corinne Schreyvogel weiter, die genau hier den Darm-Fokus vertiefte: Wenn Stress aktiviert ist, wird nicht nur Energie bereitgestellt, es verändern sich auch Barrieren im Körper. Die Darmbarriere kann unter Stress vorübergehend durchlässiger werden, kurzfristig physiologisch sinnvoll. Problematisch wird es, wenn das ständig passiert: Dann kann das Immunsystem häufiger mit Stoffen konfrontiert werden, die „eigentlich“ draussen bleiben sollten.


Thema 5: Darmbarriere & stille Entzündung, wenn Stress „nach innen“ wirkt

Corinne Schreyvogel erklärte, dass chronischer Stress, oft kombiniert mit weiteren Faktoren wie Ernährung, Medikamente (v. a. entzündungshemmende Schmerzmittel), Infekte, Lebensphase/Hormonwechsel, das Risiko erhöht, dass die Darmbarriere wiederholt „offen“ ist. Wenn das Immunsystem dadurch ständig angetriggert wird, könne eine niedriggradige Entzündung entstehen (oft als Low Grade Inflammation beschrieben). Diese Entzündung läuft oft lange unbemerkt, bis Symptome deutlicher werden.

Dann gab sie das Wort zurück an Simona Wendelspiess, die den Zusammenhang emotional zuspitzte: Genau hier zeigt sich, dass Stress nicht „nur im Kopf“ ist. Wenn wir unbewusst dauerhaft Alarm in uns tragen, durch Prägungen, Bindungsunsicherheit oder alte Erfahrungen, dann läuft das Nervensystem oft im Hintergrund auf Hochtouren. Und das kann den Körper in einen Zustand bringen, in dem langfristig Beschwerden wahrscheinlicher werden.

Corinne griff diesen Punkt wieder auf und betonte ein Prinzip, das sie immer wieder unterstrich: Symptom und Ursache sind nicht dasselbe. Symptome sind Signale, die Ursache kann viel früher liegen und entsteht oft aus einer Kombination: Lebensstil, Stressachsen, Darm/Immunsystem, Schlaf, Bewegung, Nährstoffe, psychische Belastungen.

Thema 6: Trauma breiter verstanden, und warum „klein“ trotzdem prägt

Simona Wendelspiess zeigte, dass Trauma nicht nur der „grosse Schock“ sein muss. Auch Entwicklungs- und Bindungstraumata entstehen, wenn ein Kind wiederholt nicht das Gefühl von Sicherheit, Kontakt oder emotionaler Resonanz hat. Sie brachte das Beispiel, dass früher manchmal empfohlen wurde, Kinder allein schreien zu lassen und dass das Kind innerlich nicht „lernt sich zu beruhigen“, sondern im schlimmsten Fall in einen Zustand von Aufgabe/Überforderung kippt. Solche frühen Erfahrungen können später Muster prägen wie People-Pleasing, Perfektionismus, Schwierigkeiten Grenzen zu setzen, ein ständiges „Ich muss leisten, um sicher zu sein“.

Dann gab sie an Corinne Schreyvogel weiter, die den modernen Alltag als Verstärker beschrieb: Wir sind heute nicht nur körperlich weniger aktiv, sondern mental dauerhaft unterbrochen. Multitasking, ständige Nachrichten, immer neue Reize, das Nervensystem bekommt selten echte Pausen. Und wenn dann noch alte Prägungen dazukommen, entsteht leicht ein Dauerzustand aus Anspannung.


Thema 7: Ausblick, was man konkret tun kann (Quick Wins)

Gegen Ende lenkte Simona Wendelspiess den Fokus darauf, dass Veränderung möglich ist – aber erst, wenn etwas bewusst wird. Viele Muster seien nicht „Charakterschwäche“, sondern erlernte Schutzstrategien: Wenn das Nervensystem irgendwann gespeichert hat „Ja sagen = sicher“, dann fühlt sich ein Nein zuerst riskant an. Das Gute sei: Das Nervensystem könne umlernen, Schritt für Schritt. Sie empfahl, Muster freundlich zu erkennen, kleine Grenzen zu üben und bei wiederkehrenden Konflikten ehrlich hinzuschauen (auch mit therapeutischer Unterstützung, wenn sinnvoll).

Dann gab sie das Wort an Corinne Schreyvogel, die sehr alltagsnah blieb und mehrere kleine Hebel betonte:

  • Sitzzeit reduzieren: Nicht nur „Sport machen“, sondern vor allem Sitzen regelmässig unterbrechen.

  • Mini-Bewegung über den Tag: Jede Stunde kurz aktiv werden, damit Kreislauf und Darm „mitkommen“.

  • Bewegung rund ums Essen: Vor oder nach dem Essen kurz spazieren – als einfacher Verdauungs-Impuls.

  • Stress + Ernährung zusammen denken: Gerade bei Stress bewusst auf „gute“ Lebensmittel setzen, weil der Körper in dieser Phase empfindlicher reagieren kann.

  • Pausen und Reizreduktion: Ein Ding nach dem anderen statt Dauer-Unterbrechungen.

Simona ergänzte dazu nochmal den psychologischen Quick Win: Entscheidungen öfter „körperbasiert“ prüfen: Wie fühlt sich ein Ja wirklich an, wie fühlt sich ein Nein an? Nicht Perfektion sei das Ziel, sondern das Nervensystem Schritt für Schritt aus dem Alarmmodus zu holen.


Abschluss & Dank

Am Schluss kündigten beide an, dass sie das Thema gern vertiefen möchten – mit weiteren Modulen und auch mit individueller Beratung (Simona in Sissach, Corinne in Basel). Dann bedankten sie sich nochmals herzlich für die Aufmerksamkeit und das Dabeisein.


Zum Abschluss möchten wir als Stiftung unseren herzlichen Dank aussprechen. Ein grosses Dankeschön an Simona Wendelspiess (rechts im Bild) und Corinne Schreyvogel (links im Bild) für den spannenden, praxisnahen und inspirierenden Vortrag. Eure Impulse, von der Arbeit mit dem Nervensystem über das bewusste Wahrnehmen von Mustern bis hin zu alltagstauglichen Bewegungs- und Gesundheitsstrategien, haben viele wertvolle Denkanstösse gegeben.
Ebenso danken wir allen Gästen ganz herzlich für ihr grosses Interesse und dafür, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Ihr Engagement, Ihre Offenheit und die wertvollen Gespräche im Anschluss haben diesen Anlass besonders gemacht.
Wir freuen uns, wenn die heutigen Impulse Sie im Alltag begleiten. Schritt für Schritt.
Vielen Dank und auf schöne weitere Abende.


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